LE GANT – POEME DE FRIEDRICH SCHILLER – Der Handschuh – GEDICHTE VON SCHILLER

DER HANDSCHUH
LE GANT POEME DE FRIEDRICH SCHILLER

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Friedrich Schiller
1759-1805

*Friedrich Schiller Allegorie des Tanzes, Allégorie de la Danse, William Bouguereau Der Tanz Schiller Jacky Lavauzelle



Jacky Lavauzelle Traduction

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DER HANDSCHUH
 LE GANT
POEME DE
 FRIEDRICH SCHILLER

Poèmes de Friedrich Schiller – Gedichte von Friedrich Schiller


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Friedrich Schiller


Gedicht -Poème
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Der Handschuh

Vor seinem Löwengarten,
Devant le jardin aux lions,
 Das Kampfspiel zu erwarten,
Où ils vont combattre
Saß König Franz,
Est assis le Roi Franz,
  Und um ihn die Großen der Krone,
Et autour de lui les grands de la couronne,
Und rings auf hohem Balkone
Et sur les hauts balcons
Die Damen in schönem Kranz.
Les dames formant une belle couronne.

Und wie er winkt mit dem Finger,
Le Roi agite son doigt,
Auf tut sich der weite Zwinger,
Devant ce grand chenil,
Und hinein mit bedächtigem Schritt
Et alors, avec un pas volontaire,
 Ein Löwe tritt,
Un lion avance avec prestige,
Und sieht sich stumm
Et regarde tranquillement
Rings um,
Tout autour de lui,
 Mit langem Gähnen,
Dans un long bâillement,
Und schüttelt die Mähnen,
Il secoue sa crinière,
 Und streckt die Glieder,
Etend ses membres,
 Und legt sich nieder.
Et se couche.

Und der König winkt wieder,
Et le Roi fait un nouveau signe,
Da öffnet sich behend
Alors, s’ouvre rapidement
Ein zweites Tor,
Une deuxième porte,
Daraus rennt
Rapide
Mit wildem Sprunge
Dans un puissant saut sauvage
Ein Tiger hervor,
Un tigre,
Wie der den Löwen erschaut,
Voyant le lion,
Brüllt er laut,
Se met à rugir puissamment,
Schlägt mit dem Schweif
Fouettant avec la queue
 Einen furchtbaren Reif,
Ouvre sa gueule
Und recket die Zunge,
Et étire sa langue,
Und im Kreise scheu
Fait un cercle
Umgeht er den Leu
Contourne le lion
Grimmig schnurrend;
Sombrement rugit ;
Drauf streckt er sich murrend
Et va se coucher
Zur Seite nieder.
Sur son côté.

Und der König winkt wieder,
Et le roi fait un nouveau signe,
 Da speit das doppelt geöffnete Haus
Une porte laisse alors sortir
Zwei Leoparden auf einmal aus,
Deux léopards à la fois,
Die stürzen mit mutiger Kampfbegier
Qui s’élancent comme pour un combat courageux
Auf das Tigertier,
Sur notre tigre,
Das packt sie mit seinen grimmigen Tatzen,
Qui lui les attrape avec ses fortes griffes,
Und der Leu mit Gebrüll
Et le lion dans un long rugissement
Richtet sich auf, da wird’s still,
Se redresse, là tout se calme,
Und herum im Kreis,
Et autour en cercle,
Von Mordsucht heiß,
Dans cette odeur de sang,
Lagern die greulichen Katzen.
Se posent les deux léopards.

Da fällt von des Altans Rand
Alors tombe du bord du balcon
Ein Handschuh von schöner Hand
Un gant tenu par une belle main
Zwischen den Tiger und den Leun
Entre le tigre et le lion
Mitten hinein.
En plein milieu.

Und zu Ritter Delorges spottenderweis
Et moqueuse, au chevalier de Lorges
Wendet sich Fräulein Kunigund:
Se tourne Dame Cunégonde :
« Herr Ritter, ist Eure Lieb so heiß,
« Monsieur le Chevalier, si votre amour est si ardent,
Wie Ihr mir’s schwört zu jeder Stund,
Comme vous me le clamez à chaque instant,
Ei, so hebt mir den Handschuh auf. »
Aller récupérer mon gant. » 

Und der Ritter in schnellem Lauf
Et le chevalier dans une course rapide
 Steigt hinab in den furchtbarn Zwinger
Descend au cœur du terrible chenil
 Mit festem Schritte,
D’un pas ferme,
 Und aus der Ungeheuer Mitte
Au milieu des monstres
Nimmt er den Handschuh mit keckem Finger.
Il relève le gant d’un doigt audacieux.

Und mit Erstaunen und mit Grauen
Dans un étonnement et dans un effroi
Sehen’s die Ritter und Edelfrauen,
Les chevaliers et les nobles dames le regardent
Und gelassen bringt er den Handschuh zurück.
Qui revient calmement, rendre le gant.
Da schallt ihm sein Lob aus jedem Munde,
Sa louange parcourt toutes les bouches,
Aber mit zärtlichem Liebesblick –
Elle lui souffle un amour tendre –
Er verheißt ihm sein nahes Glück –
Et lui promet un bonheur parfait –
Empfängt ihn Fräulein Kunigunde.
La dame Cunégonde.
Und er wirft ihr den Handschuh ins Gesicht:
Mais lui jette le gant au visage :
  « Den Dank, Dame, begehr ich nicht »
« Merci, madame, tel n’est pas mon désir ! »
Und verläßt sie zur selben Stunde.
Et la quitte sur le champ.

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DER HANDSCHUH
LE GANT POEME DE FRIEDRICH SCHILLER

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Friedrich Schiller
1759-1805

*Friedrich Schiller Allegorie des Tanzes, Allégorie de la Danse, William Bouguereau Der Tanz Schiller Jacky Lavauzelle